Kirche ist mehr als Gottesdienst, Gruppenarbeit und die eigenen Veranstaltungen. Kirche ist mitten im Leben – und genau dort möchte sie auch künftig präsent sein. Das Projekt „Kirche wirkt weiter“ setzt deshalb einen neuen Akzent: Kirchengemeinden öffnen sich für ihren Sozialraum und fragen nicht nur, was sie selbst brauchen, sondern auch: Was brauchen die Menschen vor Ort? Wo können Begegnung, Gemeinschaft und Engagement entstehen? Und welchen Beitrag können wir als Kirche dazu leisten?
Unsere Kirchengemeinde ist eine von neun Erprobungsgemeinden in Südbayern, die dieses Konzept für ihre Bedürfnisse unter die Lupe nehmen und umsetzen können.
Dabei geht es nicht darum, ein fertiges Konzept von einer Gemeinde in die nächste zu übertragen. Jede Gemeinde ist anders, jeder Ort hat eigene Bedürfnisse und Möglichkeiten. Das Projekt „Kirche wirkt weiter“ möchte vielmehr dazu ermutigen, die eigene Gemeinde neu in den Blick zu nehmen, vorhandene Ressourcen zu entdecken und Kirche als Teil des Gemeinwesens weiterzuentwickeln. Ein wichtiger Gedanke dabei ist die Öffnung der kirchlichen Räume für Menschen und Gruppen aus dem Ort.
Ein Vorbild: Das Bunte Haus in Miesbach
Wie das funktionieren kann, zeigt eindrucksvoll das Bunte Haus in Miesbach. Aus einem evangelischen Gemeindehaus ist dort ein offener Begegnungsort für die gesamte Stadtgesellschaft geworden. Die Grundidee ist einfach: Räume, die vorhanden sind, sollen nicht möglichst oft leer stehen, sondern Menschen zur Verfügung stehen, die einen Ort für ihre Ideen, ihre Gruppe oder ihre Veranstaltung suchen.
Heute finden im Bunten Haus ganz unterschiedliche Angebote statt – von Kindergruppen, Jugendangeboten und Chören über Yoga und Spieletreffs bis hin zu Seminaren, Ausstellungen, Coworking-Angeboten, sozialen Beratungen und Veranstaltungen von Vereinen und Initiativen. Das Foyer ist dabei mehr als ein Durchgangsraum: Es schafft Möglichkeiten, dass Menschen unterschiedlicher Gruppen miteinander ins Gespräch kommen und sich ganz selbstverständlich begegnen.
Bemerkenswert ist dabei, dass das Haus nicht nur für die eigene Kirchengemeinde da ist. Es ist bewusst für die gesamte Stadtgesellschaft geöffnet – unabhängig davon, ob jemand evangelisch, katholisch, konfessionslos oder einer anderen Religion angehörig ist.
Der Gedanke dahinter ist: Kirche wirkt weiter, wenn sie Verantwortung für ihren Ort übernimmt und Räume für Begegnung zur Verfügung stellt. So wird aus einem Gemeindehaus ein Stück gelebter Nachbarschaft.
Unsere Kirchengemeinde öffnet ihre Türen
Diesen Gedanken möchten wir nun auch bei uns mit Leben füllen.
Im Rahmen von „Kirche wirkt weiter“ öffnen wir unsere Räumlichkeiten für Menschen und Gruppen aus unserer Gemeinde und unserem Umfeld. Wir möchten unsere Räume nicht nur für kirchliche Veranstaltungen nutzen, sondern sie zu Orten machen, an denen ganz unterschiedliche Menschen zusammenkommen, sich engagieren, lernen, kreativ werden, Sport treiben oder einfach Gemeinschaft erleben können.
Dabei spielt es keine Rolle, welcher Konfession jemand angehört – oder ob überhaupt eine religiöse Bindung besteht. Unsere Räume stehen grundsätzlich allen offen.
Denkbar sind ganz unterschiedliche Angebote und Formate, zum Beispiel:
- eine Krabbel- oder Eltern-Kind-Gruppe
- Yoga, Bewegung und Entspannungsangebote
- Seminare, Workshops und Vorträge
- Tagungen und Treffen von Vereinen oder Initiativen
- ein Jugendtreff
- Proben für Jugendbands, Chöre oder anderer Musikgruppen
- Kreativ- und Spielegruppen
- Gesprächs- und Begegnungsangebote
- Treffen von Nachbarschafts-, Selbsthilfe- oder Ehrenamtsgruppen
- Angebote für Kinder, Jugendliche, Familien und Seniorinnen und Senioren
- kulturelle Veranstaltungen und vieles mehr
Kurz gesagt: Wer eine gute Idee hat und dafür einen Raum braucht, ist bei uns willkommen. Die Räumlichkeiten der Kirchengemeinde stehen grundsätzlich allen Menschen und Initiativen offen, werden jedoch nicht für parteipolitische Veranstaltungen zur Verfügung gestellt, damit die Kirche als einladender, unabhängiger Ort der Begegnung und des gesellschaftlichen Miteinanders für alle gleichermaßen erfahrbar bleibt.
Räume kostenlos nutzen – Spenden sind willkommen
Ein wichtiger Bestandteil unseres Konzepts ist: Die Nutzung unserer Räume soll nichts kosten.
Wir möchten bewusst keine finanzielle Hürde aufbauen. Eine Gruppe soll nicht deshalb auf ein Angebot verzichten müssen, weil sie sich keine Raummiete leisten kann. Stattdessen setzen wir auf Solidarität und Freiwilligkeit.
Wer unsere Räume nutzt, darf deshalb gerne eine freiwillige Spende geben. Jede und jeder entscheidet selbst, was möglich ist und was das Angebot wert ist. So können diejenigen, die etwas beitragen können, helfen, die Räume auch für diejenigen offen zu halten, die weniger Möglichkeiten haben.
Kirche als Teil des Ortes
Mit der Öffnung unserer Räume möchten wir ein Zeichen setzen: Kirche gehört mitten ins Leben.
Wir wollen nicht darauf warten, dass Menschen zu uns kommen. Wir möchten ihnen entgegenkommen und einen Ort anbieten, an dem sie ihre eigenen Ideen verwirklichen können. Vielleicht entsteht aus einer Krabbelgruppe ein Elterncafé. Aus einer Jugendband wird ein Konzert. Aus einem Seminar entstehen neue Kontakte. Oder zwei Gruppen, die sich bisher nicht kannten, kommen zufällig miteinander ins Gespräch.
Genau darin liegt die besondere Kraft solcher offenen Räume: Begegnung lässt sich nicht vollständig planen. Aber man kann Orte schaffen, an denen sie möglich wird. Aus einem kirchlichen Gebäude wird so ein Ort, der für den ganzen Ort Bedeutung gewinnt.
Wir möchten diesen Weg nun auch bei uns gehen.
Unsere Räume sollen Räume für die Menschen sein – unabhängig von Alter, Herkunft, Konfession oder Lebenssituation.
Denn Kirche wirkt weiter, wenn sie sich öffnet, zuhört, Menschen zusammenbringt und ihnen Raum gibt.
Du hast eine Gruppe, eine Idee oder ein Projekt und suchst einen passenden Raum?
Dann sprich uns gerne an. Wir freuen uns darauf, gemeinsam zu überlegen, was möglich ist.
Melde dich einfach im Pfarrbüro unter 08252 89206 oder per E-Mail an pfarramt.schrobenhausen@elkb.de.
